von David Kainz, Sozialistische Offensive, Beschäftigter im Schifffahrtssektor

Die Blockade des Suez-Kanals durch die „Ever Given“ hat die Verwundbarkeit der internationalen Transportwege und der davon abhängigen kapitalistischen Produktionsketten gezeigt. Der größte Teil aller Produkte oder ihre Bestandteile werden importiert. Nicht nur die Artikel im Einzelhandel (Supermärkte, Sporthändler, Möbelgeschäfte etc.), auch die Waren für die verarbeitende Industrie (Maschinen, Schmier- und Treibstoffe, Fasern zur Papier- und Textilienerzeugung werden in den allermeisten Fällen per Seeweg geliefert. Der Transportpreis beträgt auf ein Kilogramm gerechnet zwischen 5 und 15 Cent. Dies trifft auf die Ladung der Ever Given zu und diese Containerschiffe und ihre enormen Fassungsvermögen von 200.000 Tonnen Ladung geben den Preis vor. Aufgrund dieses niedrigen Preises ermöglicht die moderne Schifffahrt den weltweiten Handel auch billigster Güter und die Ausbeutung billigerer Arbeitskraft durch Auslagerung von Produktionsprozessen. Die Schifffahrt gilt daher als Motor der Globalisierung. 

In diesem Markt spielen zahlreiche Staatsbeteiligungen eine Rolle, die 4 größten Reedereien beherrschen den Markt. Der Besitz der größten Reedereien und der Häfen ist per se politisch und taktisch immens wichtig – hier zeigen sich auch Konflikte zwischen den einzelnen imperialistischen Mächten. Die chinesische politische Führung ist sehr aktiv und verfolgt auch durch Kauf oder Pacht europäischer Häfen den Plan einer neuen Seidenstraße. Der Transport per Schiff ist aufgrund seines Preises und der enormen Volumen konkurrenzlos, der Suez- und der Panamakanal ermöglichen effiziente Routen und so Geschäfte die von niedrigen Margen leben; diese können nicht auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Eine Störung der Transportketten schlägt aber auf alle Waren durch.

Potentielle Macht der Beschäftigten der Schifffahrtsindustrie

Die Blockade des Suez-Kanals zeigt aber auch welche potentielle Macht die  Beschäftigten der Schifffahrtindustrie haben: Mit ihnen steht und fällt der Welthandel und die Produktionsketten. Wenn sie diese Macht durch Streiks ausspielen und auf andere Beschäftigte im Transport- und Logistiksektor ausdehnen, würde sichtbar werden wie viel an ihrer Arbeit hängt. Dadurch könnte auch erkämpft werden dass Reedereien, Werften und Häfen im Interesse der Beschäftigten verstaatlicht werden unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung. Diese dürfen dann nicht nach Profitinteressen geführt werden – die Beschäftigten müssen das sagen haben, nicht irgendwelche Bürokrat/innen.  Damit könnte auch hinterfragt werden, ob Schiffe immer größer werden müssen – Sicherheitsstandards sind wichtiger als Profitinteressen.

Produktion und Distribution demokratisch planen – Schluss mit dem Profitsystem

Die großen Konzerne haben gezeigt dass es möglich Produktion und Distribution international zu organisieren. Gleichzeitig sind nicht alle Transportwege sinnvoll – oft wird dort produziert wo die Lohnkosten am niedrigsten sind. Bei Transportkosten im Centbereich werden geringste Differenzen bei den Lohnkosten ausgenutzt, mit jeder weiteren Reduzierung der Transportkosten werden neue Geschäftsmöglichkeiten erschlossen, neue Arbeitsplätze geschaffen, die von diesen niedrigen Preisen abhängig sind.  Der Verkauf von Früchten zum Beispiel die nur zum Zwecke der Aufbereitung um die halbe Welt geliefert werden rechnet sich nur bei den niedrigsten Preisen da die Lohnkosten zu ungunsten der Arbeitsbedingungen bereits maximal reduziert wurden und die Produkte bei einem höheren Preis nicht mehr oder in unbehandelter Weise (nicht geschält, nicht gesalzen etc.) gekauft werden. Das liegt daran dass die Produktion im Kapitalismus profitorientiert organisiert ist – und nicht entsprechend der Bedürfnisse der Menschen und des Planeten. Es ist nötig mit dem Profitsystem Kapitalismus zu brechen – eine sozialistische Gesellschaft weltweit könnte die Produktion international demokratisch planen, unter Berücksichtigung dieser Bedürfnisse. Dh. es könnte gemeinsam entschieden werden wo und wie produziert wird. Bei gleichzeitiger Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn und Personalausgleich könnte im Zuge einer sozialistischen Gesellschaft die vorhandene Arbeit auf alle aufgeteilt werden – ohne dass international Jobs bedroht werden.