Mit einer überwältigenden Mehrheit von 63,9% wurde das Angebot von Wolf abgelehnt, das eine Streichung von einem Drittel der Jobs und eine Lohnkürzung von 15% beinhaltet hätte. 94% hatten sich an der Abstimmung beteiligt. 

Das ist ein umso überwältigenderes Ergebnis, als das Management Druck gemacht hatte, das Angebot anzunehmen mit der Drohung das Werk würde sonst geschlossen. Wolf hatte angekündigt eine zwei Drittel Mehrheit anzustreben, da er ohnehin ein Drittel nicht übernehmen würde – nun wurde er mit zwei Drittel Mehrheit abgelehnt. 

Die Belegschaft hatte im Herbst 2020 bereits gegen die drohende Schließung des Werks gestreikt. MAN plant die Produktion nach Polen zu verlegen, in Deutschland hat die IG Metall einen Deal zugestimmt, der zwar einen Teil der Jobs in Deutschland rettet, aber dennoch die Schließung der Werke in Steyr sowie in Plauen (Sachsen) und eine Verkleinerung des Werks in Wittlich (Rheinland-Pfalz) beinhaltet. 

Die IG Metall hat damit die Kolleg/innen im Regen stehen gelassen. In Österreich waren mehrere Optionen einer Übernahme durch private Investoren diskutiert worden, Wolfs Angebot war jenes, dass die Konzernleitung von MAN schließlich zur Abstimmung stellte. 

MAN droht nun wieder mit einer Schließung des Werks in Steyr. Aber die Alternative kann nicht sein Schließung oder Job- und Lohnverluste im Zuge eines Verkaufs an private Investoren. Die Alternative muss eine Übernahme durch die öffentliche Hand unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung sein. Gemeinsam kann dann ein Plan zu einer Umstellung der Produktion erstellt werden, der sowohl die Bedürfnisse der Menschen wie auch des Planeten berücksichtigt. 

Gegen die Kolleg/innen wird in sozialen Medien nun Stimmung gemacht, sie seien schuld dass 6000 Jobs in der Region verloren gingen – das stimmt nicht! Die Konzernleitung von MAN ist schuld – die Kolleg/innen verteidigen vielmehr diese Jobs!

Ein/e Kolleg/in meinte dazu: „Wir haben nicht mit Nein gestimmt, weil uns langweilig war. Wir haben Nein gestimmt, weil wir seit Wochen unter Druck gesetzt wurden. Es gab keine klaren Aussagen. Unsere Fragen konnten nicht konkret beantwortet werden. Es sah irgendwie aus wie ein Deal unter Kumpels (also Tostmann und Wolf). Es wäre für uns alle sehr schlimm wenn es 2023 zu Ende gehen sollte, aber genauso schlimm ist es, zu einem Wolf zu gehen der alle Sozialleistungen streicht! Und da rede ich nicht von den 15% Lohneinbußen.“

Ihr Beispiel sowohl des Streiks des letzten Herbstes wie auch nun die Ablehnung der Erpressung durch die Abstimmung sind eines, das andere Kolleg/innen in anderen von Schließung bedrohten Betrieben inspirieren kann – vor allem wenn sie weitergehende Aktionen beschließen und ihr Kampf gegen die Schließung erfolgreich ist!

Wichtig ist, nun mit dem Druck nicht nachzulassen und den Schwung der Abstimmung zu nutzen, um nachzulegen. 

Der Betriebsrat (und die Gewerkschaft) sollten zu einem weiteren Streik mit der Forderung nach Übernahme durch die öffentliche Hand – ohne Job- und Lohnverluste –  aufrufen. Das kann z.B. ein eintägiger Warnstreik als Schritt hin zu ausgedehnteren Streikaktionen sein. Dieser sollte demokratisch ablaufen und die Kolleg/innen vor Ort einbeziehen in Streikkomitees. Diese Komitees könnte man als Solidaritäts- und Aktionskomitees auch auf Menschen außerhalb des Betriebes ausdehnen um die lokale Bevölkerung einzubeziehen und all jene deren Existenz und Jobs ebenfalls von der Existenz des Werks abhängen (Familien, Kolleg/innen in Zulieferbetrieben in der Region). 

Bei der Schließung von ATB hatte der Betriebsrat gedroht: „Wir sind zu allem bereit. Wenn es sein muss ketten wir uns an die Maschinen.“ Leider hat der Betriebsrat diese Ankündigung nicht eingehalten – ATB wurde geschlossen. Eine Besetzung des Betriebes und der Maschinen  um deren Abtransport im Zuge einer Schließung oder Standortverlagerung zu verhindern ist aber sinnvoll. Wenn die Schließung konkret wird, sollte eine Besetzung ins Auge gefasst werden – auch als Teil von Streikaktionen. 

Es ist möglich mit entschlossenen Aktionen auch die Bundesregierung, die im Moment stark unter Druck ist, dazu zu zwingen, den Betrieb in öffentliches Eigentum zu übernehmen – unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung.

Die Gewerkschaft ruft nun zu Verhandlungen auf und pocht auf die Standortgarantie. Doch diese ist nur so viel Wert wie der durch Kampf aufgebaute Druck dahinter.  Wir sollten uns daher nicht auf die rechtliche Ebene verlassen oder von Versprechungen von Politiker/innen die nur den eigenen Vorteil suchen einlullen lassen. Der ÖGB darf die Kolleg/innen in diesem Kampf nicht alleine lassen – es muss breite Solidarität von der gesamten Branche organisiert werden bis hin zu gemeinsamen Aktionen!

Gerade aufgrund der Schließungen in Deutschland und der Standortverlagerung nach Polen muss der Kampf ein internationaler sein. 

-Weder Schließung noch Kündigungen oder Lohnverzicht!  

-für einen eintägigen Warnstreik um den Schub der Abstimmung zu nutzen als Schritt hin zu ausgedehnteren Kampfmaßnahmen um die Schließung abzuwenden

-für Aktionskomitees in der Region die alle direkt oder indirekt Betroffenen einbeziehen

-eine nochmalige Demonstration die die Bevölkerung in der gesamten Region und auch anderer betroffener Betriebe (z.B. Zulieferbetriebe die von MAN abhängig sind)  

-gemeinsamer Kampf dagegen dass die Krise auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird  

-Öffnung der Bücher von MAN/VW für eine öffentliche Prüfung durch die Beschäftigten

-für einen gemeinsamen Kampf der Beschäftigten in der Auto Industrie international, in VW und anderen betroffenen Betrieben. Der internationale Kampf ist auch nötig um Lohndruck und Wettlauf nach unten durch Standortverlagerungen zu verhindern!

-Überführung des Betriebes in öffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung um den Standort zu erhalten  

-demokratischer Plan durch die Beschäftigten für eine Umstellung der Produktion die die Skills der Menschen, die Bedürfnisse der Gesellschaft und des Planeten berücksichtigt